Veränderungen an Nagelfalz und Nagelbett

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Besonders Frauen setzen ihren Nägeln durch enge Schuhe oder Nagellackentferner zu.

Enge Schuhe, unterschiedliche Temperaturen, Feuchtigkeit - Finger- und Fußnägel sind zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Das betrifft nicht nur die Nagelplatte, sondern auch das darunterliegende Nagelbett und den empfindlichen Nagelfalz, also den Hautwulst, der die Nagelplatte umrandet. Oft genügen schon kleinste Verletzungen, damit Erreger - meist Bakterien - dort eindringen und schmerzhafte, oft eitrige Entzündungen verursachen. Auch falsche Fußpflege oder zu enges Schuhwerk strapazieren Nagelfalz und Nagelbett und verursachen schmerzhaft eingewachsene Nägel.

Hin und wieder treten auch kleine Knötchen im Bereich von Nagelfalz und Nagelbett auf. Diese entpuppen sich meist als lästige, aber harmlose Warzen oder Muttermale, nur selten steckt ein malignes Melanom, also Hautkrebs, dahinter.

Ist der Nagelfalz verdickt und schmerzempfindlich, kann das auch ein Hinweis auf eine systemische, also den ganzen Körper betreffende, Erkrankung sein. Als Ursache in Frage kommt dann eine Kollagenose (Bindegewebserkrankungen) wie die Sklerodermie, eine Autoimmunerkrankung des Bindegewebes.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Schmerzhafte Rötung und Schwellung der seitlichen und hinteren Begrenzung der Nagelplatte (Nagelfalz); evtl. Bläschen oder Blasen; evtl. Eiterentleerung auf Druck; bei chronischem Verlauf Verlust des Nagelhäutchens

Ursachen:

  • Akute Nagelfalzentzündung (Paronychie), meist bakteriell, selten durch Herpes simplex Viren
  • Panaritium
  • Chronische Nagelfalzentzündung, meist Pilzbefall (Candida albicans), z. B. bei häufigen Arbeiten in kaltem Wasser oder chronischen Reizen

Maßnahme:

  • Bei Eiterbildung und starken Schmerzen am selben Tag zum Hausarzt, Hautarzt oder Chirurgen, ansonsten in den nächsten Tagen

Schmerzhafte Rötung und Schwellung des seitlichen Nagelfalzes, meist am großen Zeh; evtl. Eiterentleerung auf Druck

Ursache:

Maßnahmen:

  • Bei Eiterbildung und starken Schmerzen am selben Tag zum Hausarzt, Hautarzt oder Chirurgen
  • Ansonsten in den nächsten Tagen zum Arzt oder medizinischen Fußpfleger

Selbsthilfe in leichteren Fällen:

  • Fußbäder mit Kernseife, Kamille oder desinfizierenden Zusätzen aus der Apotheke
  • Anschließend Bestreichen des "wilden" Fleischs mit einem Silbernitrat- Stift (Höllenstein-Ätzstift®)

Kleine Knoten oder Geschwülste im Nagelbereich; meist nicht schmerzhaft; evtl. dunkel verfärbt

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hautarzt, wenn Muttermale sich verändern, rasch wachsen, bluten oder jucken

Selbsthilfe bei Warzen:

  • Verätzen mit Silbernitrat (z. B. in Höllenstein Ätzstift®)
  • Vereisen (z. B. mit Scholl Freeze® Warzenentferner)

Schmerzhafte Verdickung des Nagelfalzes mit Gefäßerweiterungen; verkürzte und verbreiterte Nagelplatte mit Krümmung des Nagelrands

Ursache:

Maßnahme:

  • Regelmäßige Kontrolluntersuchungen im Rahmen der Grunderkrankung

Ihr Apotheker empfiehlt

Ausreichend weites Schuhwerk tragen.

Gerade Frauen neigen oft dazu, aus modischen Gründen zu enge oder sogar spitz zulaufende Schuhe zu tragen. Längerfristig verformt der ständige Druck den Nagel  und begünstigt sein Einwachsen in das umliegende Gewebe. Vermeiden lässt sich das mit Schuhen, die dem Fuß genug Platz bieten - und zwar vor allem seitlich, denn der große Zeh ist besonders gefährdet. Atmungsaktive Materialien sind zusätzlich von Vorteil.

Hände schützen.

Wasser, Kälte, Chemikalien - unsere Hände und Nägel sind vielen strapazierenden Einflüssen ausgesetzt. Gerade bei wiederkehrenden Tätigkeiten (z.B. Putzen) ist das kurzzeitige Tragen von Schutzhandschuhen sinnvoll. Bei allen Nassarbeiten müssen diese aber zügig wieder gewechselt werden, da die Haut unter dem Handschuh sonst aufweicht und noch anfälliger für Entzündungen wird. Wenn die Haut zum Einreißen um den Nagelfalz neigt, ist oft eine zu trockene Haut die Ursache und Eincremen sinnvoll..

Nicht zu tief schneiden.

Regelmäßiges Schneiden der Fingernägel gehört zur richtigen Nagelpflege dazu, sollte aber mit Maß vorgenommen werden. Denn beim zu radikalen Kürzen wird oft die Nagelhaut über dem Nagelfalz verletzt, so dass sich dieser entzündet. Als Richtlinie für eine gesunde Länge gilt: Die Nägel sollten mindestens die kompletten Finger- oder Zehenkuppen bedecken.

Kein Aceton verwenden.

Nagellackentferner sind zwar praktisch, aber nicht ganz ungefährlich. Zu großzügig aufgetragen läuft dieser unter den Nagel und reizt dort das Nagelbett. Auf acetonhaltige Produkte sollte lieber ganz verzichtet werden, denn dieses entfettet die Haut und trocknet sie aus.

Autoren

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Redaktionelle Bearbeitung: Sara Steer | zuletzt geändert am um 20:10 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung durch Ihren Apotheker ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.
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