Schmerzen und Juckreiz am After

AXI/Shutterstock.com
Wer es beim Radfahren übertreibt, bezahlt dies mitunter mit einem wunden Hinterteil.

Juckreiz und Schmerzen sind immer unangenehm - treten die Beschwerden aber am After auf, kommt bei vielen Betroffenen auch noch Scham dazu. Dabei helfen oft schon einfache hygienische Maßnahmen, um die unangenehmen Symptome wieder loszuwerden. Häufig steckt eine entzündliche Reizung der Haut dahinter, also eine Afterentzündung oder der sprichwörtliche "Wolf". Der entsteht vor allem dann, wenn starke Reibung und Feuchtigkeit aufeinandertreffen, beispielsweise beim schweißtreibenden Rad- oder Reitsport. Auch ungünstige Hygienemaßnahmen verursachen Afterentzündungen. Hier schadet sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig: Bei mangelnder Sauberkeit sind es vor allem Kotreste die die Haut belasten, etwa bei dementen oder stuhlinkontinenten Personen. Aber auch zu kräftiges mechanisches Wischen und der Einsatz aggressiver Reinigungspräparate greifen die Haut am After an. Bleibt die Afterentzündung unbehandelt, droht evtl. ein Analekzem oder eine Analfistel.

Gerade bei kleinen Kindern sollte bei anhaltendem Kratzen am Analbereich auch an einen Wurmbefall gedacht werden. Die Parasiten verlassen den Körper nämlich über den Anus, um dann ihre Eier abzulegen - was zu teils sehr starkem Juckreiz führt.

Frische Blutspuren in der Unterwäsche sind ein Hinweis auf eine Analfissur - also einen Riss in der empfindlichen Haut um den Analkanal - oder Hämorrhoiden. Eitriges Sekret lässt auf einen Analabszess oder eine Analfistel als Folge eines Analabszesses schließen.

In seltenen Fällen muss auch an ernstere Erkrankungen gedacht werden, z.B. eine Entzündung des hintersten Darmabschnitts (Mastdarmentzündung oder Proktitis), eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung oder sogar ein Analtumor.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Akute Schmerzen am After beim Laufen und bei Reibung jeder Art; oft nach langem Radfahren, Reiten oder Wandern; Nässen, Schwellung und Rötung der Analhaut

Ursache:

  • Afterentzündung

Maßnahme:

  • In den nächsten zum Hausarzt, wenn Selbsthilfemaßnahmen erfolglos bleiben.

Selbsthilfe:

  • Gesäß besser polstern (z. B. Spezialwäsche mit Einlage)
  • Bei starkem Schwitzen Unterwäsche (oder Slipeinlagen) auch untertags wechseln
  • Nach Stuhlhygiene evtl. Fettsalbe auf den Anus auftragen

V. a. nächtlicher Juckreiz am Anus; meist bei Kindern oder Kontaktpersonen von Kindern

Ursache:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Wechselnd starker Juckreiz am Anus; evtl. ekzemartige Veränderungen der Analhaut; oft nachts am stärksten; nicht assoziiert mit dem Stuhlgang

Ursachen:

  • Somatoforme Störung
  • Hautreaktion auf ständige Feuchtigkeit
  • Analekzem
  • Allergische Reaktion, z. B. auf Farb- und Duftstoffe in Toilettenpapier

Maßnahme:

  • Bei Gelegenheit zum Hausarzt, wenn Sie sich durch anhaltende Beschwerden gestört fühlen

Selbsthilfe:

  • Auf gute Analhygiene achten, nur Wasser verwenden
  • Kratzen vermeiden
  • Ungefärbtes, parfumfreies Toilettenpapier bevorzugen
  • Unterwäsche aus Baumwolle

Juckreiz, nässendes Ekzem und evtl. tastbare Knoten in der Analregion; oft Schmerzen, verstärkt beim Stuhlgang; oft hellrote Blutungen und/oder Schleimabgang aus dem Anus

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Selbsthilfe:

  • Warme Sitzbäder mit Kamille- oder Eichenrindenextrakt
  • Auf gute Analhygiene achten
  • Stuhl weich halten: Viel trinken, ballaststoffreiche Kost
  • Regelmäßige Bewegung, Beckenbodentraining

Schneidender Schmerz am Anus, der meist während des Stuhlgangs einschießt; öfters harter Stuhl, der Pressen erfordert; evtl. anhaltendes, starkes Druckgefühl

Ursachen:

  • Frische Analfissur (Schleimhauteinriss)
  • Analfalte (Mariske)
  • Afterenge (Analstenose)

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Selbsthilfe:

  • Warme Sitzbäder mit Kamille- oder Eichenrindenextrakt
  • Auf gute Analhygiene achten
  • Stuhl weich halten: Viel trinken, ballaststoffreiche Kost
  • Regelmäßige Bewegung, Beckenbodentraining

Plötzlicher, heftiger Analschmerz, der Gehen und Sitzen unmöglich macht; kirsch-bis pflaumengroßer Knoten am Analrand von blauroter Farbe

Ursache:

Maßnahme:

  • Harmlos, trotzdem zum Hausarzt, um die Schmerzen zu behandeln

Rasch zunehmende, stark schmerzhafte Schwellung am Anus, häufig mit Fieber

Ursache:

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Hausarzt

Juckreiz am Anus mit Ausscheidung von eitrigem Sekret (erkennbar an Verschmutzung der Unterwäsche); evtl. Schmerzen beim Stuhlgang; evtl. Eiterauflagerungen auf dem Stuhl

Ursache:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Anhaltender Analschmerz, Brennen und Juckreiz mit Ausscheidung von eitrigem Sekret (erkennbar an Verschmutzung der Unterwäsche); verstärkter Schmerz während und nach dem Stuhlgang; evtl. hellrote Blutungen aus dem Anus

Ursache:

Mastdarmentzündung (Proktitis), z. B. bei

Maßnahme:


Juckreiz und/oder Schmerzen am Anus mit Fremdkörpergefühl beim Stuhlgang; evtl. hellrotes Blut oder Schleim auf dem Stuhl; evtl. Probleme, den Stuhl zu halten

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Selbsthilfe:

  • Stuhl weich halten: Viel trinken, ballaststoffreiche Kost

Langsam zunehmende Schmerzen und Juckreiz am Anus mit hellroten Blutungen

Ursache:

Maßnahmen:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Rasch zunehmende, dumpfe Schmerzen in der Anal-, Damm und Leistenregion; Fieber; häufiger Harndrang, meist Brennen beim Wasserlassen

Ursache:

Maßnahmen:

  • Sofort in die Klinik bei hohem Fieber und schlechtem Allgemeinzustand
  • Sonst am nächsten Tag zum Hausarzt oder Urologen

Anfallartige, einschießende Schmerzen im Anal- und Steißbeinbereich; Anfallsdauer typischerweise 10–20 Minuten

Ursache:

  • Proctalgia fugax (Afterschließmuskelkrampf)

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Selbsthilfe:


Ziehende oder brennende Dauerschmerzen im Anal- und Steißbeinbereich; Steißbein ist sehr druckempfindlich

Ursache:

  • Kokzygodynie (schmerzendes Steißbein)

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Selbsthilfe:

Ihr Apotheker empfiehlt

Richtiges Reinigen.

Bleiben nach dem Stuhlgang Kotreste rings um den Anus zurück, verursacht das einen starken Entzündungsreiz auf der Haut. Doch auch eine zu gründliche Reinigung schadet mehr, als sie nützt. Denn starke mechanische Reibung sowie Seifen und Feuchttücher mit "Pflege"wirkstoffen belasten die Haut stark. Vermeiden Sie also zu kräftiges "Wischen" und nutzen Sie bei schon bestehenden Beschwerden am besten weiche Watte oder mit lauwarmen Leitungswasser befeuchtete Tücher, um sich zu reinigen. Seife sollte am Anus absolut tabu sein. Eingetrocknete Stuhlreste machen Sie im ersten Schritt wieder weich durch Abtupfen mit einem mit Warmwasser genässten Waschlappen.

Passende Kleidung tragen.

Schweiß, Feuchtigkeit und Reibung können die Haut reizen und somit Beschwerden verursachen oder verschlimmern. Akute Auslöser sind oftmals lange Wanderungen, Ausritte oder Radtouren, vor allem wenn Schweiß aufgrund dicht anliegender Kleidung aus ungeeigneten Materialien nicht von der Haut abtransportiert wird. Tragen Sie deshalb weite Kleidung aus natürlichen Materialen wie Baumwolle und Leinen und wechseln Sie verschwitzte Unterwäsche, wenn nötig, auch mehrmals täglich. Wenn möglich, duschen Sie zwischendurch oder nehmen ein Bad; sind Sie auf Reisen, tut es auch ein Waschlappen, um aufgetrockneten Schweiß aus den Pofalten oder am Schritt zu entfernen.

Für den Radsport gibt es extra gepolsterte Hosen, deren anatomisch geformte Sitzpolster den Druck auf die Gesäßregion besser verteilen als normale Unterwäsche. Beim Thema Schwitzen bieten sie aber kaum Vorteile, da die Polster das Abtrocknen des Schweißes eher behindert als fördert.

Auslassversuche bringen Klarheit.

Kennen Sie den Spruch "Chili brennt immer zweimal?" Tatsächlich gibt es einige Nahrungsmittel, die z.B. durch ihre Schärfe oder Säure nicht nur im Mund ein Brennen hervorrufen, sondern auch beim Stuhlgang die Schleimhäute am After reizen. Neben der Chili verursachen auch hochprozentige alkoholische Getränke und Zitrusfrüchte oder Milch Beschwerden. Auch allergische Reaktionen können sich am After bemerkbar machen. Selbst Unverträglichkeitsreaktionen gegenüber Chemikalien in feuchten Toilettentüchern sind nicht selten.)

Um herauszufinden, ob Sie auf bestimmte Nahrungsmittel oder Pflegeprodukte reagieren, hilft ein Auslassversuch. Dabei lassen Sie über einen bestimmten Zeitraum wie etwa einer Woche verdächtige Speisen oder Pflegeprodukte aus und beobachten, ob sich die Beschwerden bessern. Dokumentieren Sie Ihre Beobachtungen in einer Liste oder einem Tagebuch.

Entzündungen lindern.

Leiden Sie bereits unter Beschwerden, können Sie entzündete oder gereizte Stellen selbst  behandeln. Gut bewährt haben sich warme Sitzbäder mit antientzündlichen Kamilleextrakten. Trocknen Sie Sich danach sanft, aber gründlich ab - denn anhaltende Feuchtigkeit befeuert den Entzündungsprozess zusätzlich. Gut ist es, nach dem Abtrocknen ein paar Minuten unbekleidet herumzulaufen – so trocknet die Haut noch besser. Handelt es sich um nässende Ekzeme, helfen spezielle Pflegepuder dabei, betroffene Stellen trocken zu halten.

Autoren

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. | zuletzt geändert am um 09:52 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung durch Ihren Apotheker ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.
Vorheriger Artikel

Veränderungen an Nagelfalz und Nagelbett