Durchfall (akut)

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Durchfall entzieht dem Körper Wasser und Elektrolyte, der besonders bei Kleinkindern nicht ungefährlich ist.

Von Durchfall sprechen Mediziner, wenn täglich mehr als 3 ungeformte, weiche bis dünnflüssige Stühle auftreten. Akuter Durchfall hat eine Dauer von wenigen Tagen bis höchstens 2 Wochen. Er klingt in der Regel ohne ärztliches Eingreifen wieder ab.

Häufige Ursache ist eine infektiöse Darmerkrankung mit Viren (z. B. Noroviren oder Rotaviren), seltener mit Bakterien oder Parasiten. Bei einer infektiösen Durchfallerkrankung – umgangssprachlich auch Magen-Darm-Grippe genannt – kommt es meist zu weiteren Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen.

Seltener liegt eine Arzneimittelnebenwirkung oder eine Lebensmittelvergiftung zugrunde. Letztere wird durch Giftstoffe bakteriell verdorbener Lebensmittel verursacht.

Unabhängig von der Ursache: Durchfall kann dem Körper pro Tag über 3 l Flüssigkeit und Salze entziehen. Eine wichtige Maßnahme bei akutem Durchfall ist deshalb der Ersatz von Flüssigkeit und Mineralstoffen. Bei Säuglingen und Kleinkindern können die Flüssigkeitsverluste schnell ein bedrohliches Ausmaß erreichen. Dann ist eine Kinderklinik aufzusuchen.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Breiiger Durchfall in Stress- oder Angstsituationen

Ursache:

  • Körperliche Reaktion auf Stress oder Anspannung

Maßnahme:

  • Noch am selben Tag zum Hausarzt, wenn der Durchfall länger als 3 Tage anhält

Selbsthilfe:

  • Möglichst viel trinken
  • Evtl. Stressmanagement verbessern, z. B. Prioritäten setzen, Konflikte lösen oder durch Entspannungsübungen und ausreichend Schlaf die Belastbarkeit stärken

Wässriger oder breiiger Durchfall; evtl. vermischt mit Eiter, Blut oder himbeergeleeartigem Schleim; Erbrechen und Bauchschmerzen; oft Fieber; oft ähnliche Erkrankungen in der Umgebung

Ursache:

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Hausarzt bei heftigen Bauchschmerzen, blutigem oder eitrigem Durchfall, Durchfall nach Fernreisen, hohem Fieber, Schwäche, Schwindel
  • Am nächsten Tag zum Hausarzt, wenn sich die Beschwerden nach 3 Tagen noch nicht gebessert haben

Selbsthilfe:

  • Täglich 3–4 l trinken, z. B. Kräutertee oder Gemüsebrühe
  • Besonders für Kinder: Elektrolytlösungen aus der Apotheke zuführen

Durchfall und heftiges Erbrechen 1–6 Stunden nach dem Verzehr fragwürdiger, bakteriell kontaminierter Lebensmittel; meist Bauchschmerzen; oft ähnliche Erkrankungen im Umfeld

Ursache:

  • Lebensmittelvergiftung, z. B. durch Tiefkühlkost, Milchprodukte (z. B. Softeis), eihaltige Produkte (z. B. Tiramisu), Geflügel

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Hausarzt bei Kreislaufproblemen und fehlender Besserung nach 2 Tagen

Selbsthilfe:

  • Täglich 3–4 l trinken, z. B. Kräutertee oder Gemüsebrühe
  • Besonders für Kinder: Elektrolytlösungen aus der Apotheke zuführen

Durchfall, Erbrechen und Bauchschmerzen nach einer Pilzmahlzeit

Ursachen:

  • Auftreten nach 30 Minuten bis 2 Stunden: Leichte Pilzvergiftung oder Vergiftung durch essbare Pilze, die zu lange aufbewahrt wurden
  • Auftreten nach 6–24 Stunden: Schwere Pilzvergiftung

Maßnahmen:

  • Sofort in die nächste Klinik, wenn Symptome nach 6 Stunden oder später auftreten
  • Am selben Tag zum Hausarzt, wenn Symptome in den ersten 6 Stunden auftreten

Durchfall nach übermäßigem Alkoholkonsum

Ursache:

  • Wirkung von Alkohol

Selbsthilfe:

  • Viel trinken, z. B. dünnen Schwarztee oder Mineralwasser

Wässriger, seltener schleimiger oder blutiger Durchfall während oder bis zu 4 Wochen nach Einnahme eines Antibiotikums; meist Bauchschmerzen; evtl. Fieber

Ursachen:

  • Antibiotika-assoziierter Durchfall infolge Schädigung der gesunden Darmflora durch das Antibiotikum, besonders durch Breitbandantibiotika wie Ampicillin, Clindamycin und Cefalosporine
  • Pseudomembranöse Kolitis (felderförmige Entzündungsherde in der Darmschleimhaut)

Maßnahmen:

  • Sofort zum Hausarzt oder in die Klinik bei blutigem Durchfall, hohem Fieber, Schwäche oder Schwindel
  • Am selben Tag zum Hausarzt, wenn sich die Beschwerden nach 3 Tagen nicht bessern

Selbsthilfe:

  • Täglich 3–4 l trinken, z. B. Kräutertee oder Gemüsebrühe
  • Hefepräparate einnehmen
  • Probiotische Präparate mit Milchsäurebakterien oder speziellen E.-coli-Stämmen zuführen

Durchfall bei der Einnahme anderer Medikamente

Ursache:

  • Arzneimittelnebenwirkung, z. B. von Abführmitteln, Eisen- und Magnesiumpräparaten, Schmerz- und Rheumamitteln, Asthmamitteln

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt, wenn das Mittel ärztlich verordnet wurde und Sie unter dem Durchfall leiden
  • Bei Selbstmedikation Arzneimittel absetzen; Ihr Apotheker berät Sie zu Alternativen

Hinweis:

  • Ärztlich verordnete Medikamente nicht eigenmächtig absetzen – Rücksprache mit dem Arzt halten (zumindest telefonisch)

Ihre Apotheke empfiehlt

Ausreichend trinken.

Durchfall kann dem Körper reichlich Wasser und Mineralsalze entziehen. Diesen Verlust gilt es durch viel Trinken auszugleichen. Entscheidend ist, worauf konkret man Durst hat: Beispielsweise Cola, Wasser mit Sirup, eine kräftig gesalzene Suppe oder gezuckerter Tee. Es gilt das "Lustprinzip", auch bei Kindern. Zu meiden sind lediglich säurehaltige Getränke wie unverdünnte Fruchtsäfte und natürlich Alkohol. Die Salzverluste können durch Gemüsebrühe (Boullion) oder zweimal täglich eine Messerspitze Salz im Mineralwasser ausgeglichen werden. Bei Kindern unter zwei Jahren sollten ausgewogene Fertigpräparate verwendet werden (siehe unter Elektrolytlösungen). Säuglinge und Kleinkinder sind besonders gefährdet, eine lebensbedrohliche Austrocknung zu entwickeln. In diesen Fällen ist deshalb eine Kinderklinik aufzusuchen.

Elektrolytlösungen.

Elektrolytlösungen führen dem Körper die durch den Durchfall verlorenen Salze und Zucker wieder zu. Die Mischung ist dabei so zusammengestellt, dass der Darm sie optimal aufnimmt. Fertigpräparate aus der Apotheke, z. B. Humana Elektrolyt oder Elotrans Pulver, empfehlen sich besonders für Risikopatienten, also Säuglinge, Kleinkinder und alte Menschen. Personen mit Herzschwäche, Bluthochdruck oder Nierenschwäche halten vor der Anwendung am besten Rücksprache mit ihrem Arzt.

Hinweis:

Diabetiker müssen beachten, dass Elektrolytlösungen Zucker enthalten. Ggf. ist die Dosis der Medikamente oder des Insulins anzupassen.

Erwachsene ohne Vorerkrankung können sich ähnliche Lösungen auch selbst herstellen: 2 Esslöffel Zucker und 1 Teelöffel Salz in 1 Liter stilles Wasser geben. Um die Kaliumzufuhr zu erhöhen, empfiehlt sich eine Mischung mit Orangensaft: Dazu 1 halben Liter Wasser mit 1 halben Liter Orangensaft mischen und 1 Teelöffel Salz sowie 7–8 Teelöffel Zucker hinzugeben. Nach Belieben kann der Orangensaft durch Tee oder andere Fruchtsäfte ersetzt werden. Eine gute Kaliumquelle sind auch Bananen.

Medikamente.

Der Wirkstoff Loperamid verringert die Muskeltätigkeit im Darm. Damit stoppt er zwar den Durchfall und begleitende Buchkrämpfe, beseitigt jedoch nicht deren Ursache. Das heißt: Auch die Ausscheidung der Krankheitserreger und Lebensmittelgifte aus dem Darm wird gehemmt. Loperamid sollte deshalb, wenn überhaupt, maximal 2 Tage eingenommen werden – zum Beispiel um den Durchfall während einer Flugreise zu unterdrücken. Loperamid-haltige Arzneimittel sind auch für Kinder ab 12 Jahren verfügbar.

Der Sekretionshemmer Racecadotril reduziert die Freisetzung von Wasser und Salzen in den Darm. Die Darmtätigkeit und Ausscheidung wird nicht gehemmt. Racecadotril wird maximal 3 Tage eingenommen und ist nur für Erwachsene zugelassen.

Begleiten heftige Bauchkrämpfe den Durchfall, hilft Butylscopolamin die Krämpfe zu lindern. Dieser Wirkstoff sollte jedoch ohne ärztliche Anordnung nur wenige Tage zum Einsatz kommen.

Komplementärmedizin.

Adsorbenzien wie Aktivkohle, Kaolin und Siliziumdioxid binden Gifte und Krankheitserreger und beschleunigen so deren Ausscheidung. Ähnlich wirken natürliche Quellstoffe wie Flohsamen.

Gerbstoffe beruhigen die gereizte Darmschleimhaut. Sie sind in pflanzlichen Mitteln enthalten wie Tormentill, Eichenrinde, getrockneten Heidelbeeren oder Uzarawurzel, aber auch in Schwarzem Tee.

Hefe-Präparate hemmen das Wachstum schädlicher Keime im Darm und fördern eine gesunde Darmflora. Es gibt Hinweise auf eine positive Wirkung von Trockenhefe bei antibiotikabedingtem Durchfall.

Vorbeugen.

Gerade bei Fernreisen lassen sich viele Durchfallerkrankungen vermeiden. Die wichtigste Regel lautet: "Cook it, peel it or leave it" (Nahrungsmittel kochen, schälen oder nicht essen). Risikoreich ist neben Salaten und Früchten vor allem Wasser – einschließlich Wasser, welches von Restaurants zur Essenzubereitung benutzt wird. Deshalb gilt: Sofort mit einer Mahlzeit aufhören, wenn sie einem plötzlich zuwider ist. Im Zweifelsfall lieber auf fremdzubereitetes Essen verzichten. Als sichere Alternative empfehlen sich bekannte Lebensmittel, die bekömmlich sind, etwa Bananen und Karotten.

Eine sorgfältige Nahrungszubereitung und -lagerung schützt vor infektiösen Durchfallerkrankungen. Tiefkühlgeflügel und -fleisch muss vor der Zubereitung sorgfältig gewaschen werden, da Salmonellen die niedrigen Temperaturen überstehen und sehr häufig nachweisbar sind. Fleisch, Geflügel und Eier sollten ausreichend lange und bei hohen Temperaturen gegart werden. Das lässt sich beim Anschneiden des Fleisches auf dem Teller leicht überprüfen: Blasse oder sogar blutige Stellen sind Anzeichen unzureichender Erhitzung.

Leiden Haushaltsmitglieder gerade an einer Durchfallerkrankung, reduzieren strikte Hygieneregeln das Risiko einer Ansteckung. Dazu zählt etwa das gründliche Händewaschen sowie das Verwenden unterschiedlicher Handtücher.

Autor*innen

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; Sektion "Ihre Apotheke empfiehlt": Dr. med. Arne Schäffler; Sandra Göbel | zuletzt geändert am um 16:08 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner*innen geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung in Ihrer Apotheke ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.
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