Schilddrüsenüberfunktion

Schilddrüsenüberfunktion: (Hyperthyreose): Übermäßige Bildung und Ausschüttung der Schilddrüsenhormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin). Betroffen sind vor allem Frauen über 35 Jahre. Die Auslöser für eine Schilddrüsenüberfunktion sind zahlreich. Bei älteren Frauen (über 60) ist es meist eine Schilddrüsenautonomie – eine Funktionsstörung, die häufig durch einen Jodmangel verursacht wird. Bei jüngeren Frauen (unter 60) ist es meist Morbus Basedow, eine Autoimmunerkrankung. Symptome sind z. B. übermäßiges Schwitzen, Heißhunger, Gewichtsverlust, Herzrasen und ständige Nervosität. Behandelt wird je nach Ursache und Alter z. B. mit Medikamenten, einer Operation der Schilddrüse oder einer Radiojodtherapie. Oft lässt sich die Erkrankung vollständig heilen. Ein Teil der Betroffenen muss aber lebenslang Medikamente einnehmen.

Leitbeschwerden

  • Vergrößerte Schilddrüse (knotig oder als diffuse Schwellung)
  • Rastlosigkeit, Nervosität, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit
  • Schnelle Ermüdbarkeit, Muskelschwäche und -schmerzen, v. a. der Oberschenkelmuskeln
  • Feines Muskelzittern, v. a. der Finger
  • Herzrasen, evtl. Herzstolpern
  • Gewichtsverlust trotz gleichzeitigem Heißhunger
  • Warme feuchte Haut, Schweißausbrüche, Wärmeintoleranz, evtl. leicht erhöhte Körpertemperatur
  • Evtl. Durchfall, häufiger Stuhlgang
  • Diffuser Haarausfall, weiches dünnes Haar
  • Bei Morbus Basedow evtl. zusätzlich: Hervortreten der Augäpfel.

Wann in die Arztpraxis

In den nächsten Tagen, wenn im Halsbereich ein Knoten oder eine Schwellung tastbar ist oder wenn mehrere der beschriebenen Beschwerden auftreten.

Die Erkrankung

Krankheitsentstehung

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ in der unteren Halsregion. Sie bildet verschiedene Hormone, die den Stoffwechsel, die Körpertemperatur, den Herzschlag und die Verdauung regulieren.

Bei einer Schilddrüsenüberfunktion werden die beiden Schilddrüsenhormone T4 (Thyroxin) und T3 (Trijodthyronin) im Übermaß gebildet und ins Blut abgegeben. Dafür gibt es verschiedene Auslöser.

Ursachen und Risikofaktoren

Je nach Region wird in Deutschland bis zur Hälfte aller Schilddrüsenüberfunktionen durch eine Schilddrüsenautonomie verursacht. Dabei handelt es sich um eine Funktionsstörung, bei der ungehemmt (autonom) Schilddrüsenhormone gebildet werden.

Dahinter steckt ein langjähriger Jodmangel, der zunächst verhindert, dass die Schilddrüse ausreichend Hormone bilden kann. Um die Mangelproduktion auszugleichen, wächst die Schilddrüse. Dadurch bildet sich entweder ein einzelner überaktiver Knoten (autonomes Adenom) oder es wachsen mehrere Knoten (multifokale Autonomie). Es kann auch passieren, dass sich das gesamte Organ von der Hormonregulation abkoppelt (disseminierte Autonomie) und dabei so stark vergrößert, dass ein Kropf entsteht. Die Schilddrüsenautonomie kommt eher im höheren Lebensalter (über 60 Jahre) vor und tritt häufiger in Jodmangelgebieten auf.

Der zweithäufigste Auslöser einer Schilddrüsenüberfunktion ist eine Autoimmunerkrankung namens Morbus Basedow (Basedowsche Krankheit, Basedow-Krankheit). Das Immunsystem bildet dabei Antikörper gegen Andockstellen auf den Schilddrüsenzellen (TSH-Rezeptor-Antikörper = TRAK). Die Antikörper imitieren am Rezeptor das Stimulationssignal, das die Schilddrüsenzellen zur ungehemmten Hormonproduktion veranlasst. Der Morbus Basedow tritt eher bei jüngeren Patient*innen (unter 60 Jahren) und familiär gehäuft auf, teilweise zusammen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Morbus Addison oder Diabetes mellitus. Zwei Drittel der Menschen mit Morbus Basedow haben auch eine endokrine Orbitopathie: Hier richten sich die Antikörper auch gegen das Gewebe hinter den Augäpfeln und lassen diese charakteristisch hervortreten.

Patient mit einseitig hervortretendem Auge aufgrund einer SchilddrüsenüberfunktionLinksseitig betontes Hervortreten des Augapfels (Exophthalmus, im Bild rechts) bei einem 41-jährigen Mann mit Morbus Basedow. Neben dem hervorstehenden Auge besteht beidseits eine Bindehautentzündung, gut erkennbar an den geröteten Außenseiten des Augapfels.
Georg Thieme Verlag, Stuttgart

Neben diesen beiden Hauptauslösern gibt es zahlreiche weitere Ursachen für eine Schilddrüsenüberfunktion, die insgesamt aber selten sind. Hierzu zählen

  • die entzündlich bedingte Hyperthyreose bei Hashimoto-Thyreoiditis und Quervain-Thyreoiditis
  • die medikamentenbedingte Hyperthyreose durch Amiodaron, jodhaltige Röntgenkontrastmittel oder eine Überdosierung von Schilddrüsenhormon-Tabletten (Hyperthyreosis factitia)
  • die Schwangerschaftshyperthyreose, bei der das Schwangerschaftshormon hCG durch seine Ähnlichkeit mit dem Steuerungshormon TSH auch die Schilddrüse stimuliert
  • die zentrale Hyperthyreose beim Hypophysenadenom, das durch übermäßige Bildung des Steuerungshormons TSH die Schilddrüse überstimuliert
  • die tumorös bedingte Hyperthyreose bei bestimmten Formen des Schilddrüsenkarzinoms oder bei Hoden- oder Eierstocks-Tumoren, die TSH-ähnliche Stoffe bilden.

Klinik, Verlauf und Komplikationen

Oft, aber nicht immer, zeigt sich die Schilddrüsenüberfunktion mit einer Vergrößerung der Schilddrüse, dem sogenannten Kropf. Ein autonomes Adenom kann aber so klein sein, dass es äußerlich nicht sichtbar und auch nicht tastbar ist.

Die übermäßig ausgeschütteten Schilddrüsenhormone bringen den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht. Die Körperfunktionen laufen dann beständig auf Hochtouren und kommen nicht mehr zur Ruhe. Betroffene bemerken das z. B. durch Nervosität, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, ein feines Muskelzittern (v. a. der Finger) und Herzrasen, z. T. auch mit Herzrhythmusstörungen (Herzstolpern). Obwohl man sich rastlos und angetrieben fühlt, ist man wenig leistungsfähig, die Muskeln, v. a. die Oberschenkelmuskeln sind oft schwach und schmerzen schnell bei Belastung. Typisch ist auch ein deutlicher Gewichtsverlust, obwohl Betroffene immer hungrig sind und mehr Nahrung zu sich nehmen als üblich. Dazu kann auch Durchfall auftreten und der Stuhlgang häufiger werden.

Die Haut der Patient*innen fühlt sich warm und feucht an. Häufig kommt es zu Schweißausbrüchen und warme Umgebungstemperaturen werden nicht mehr gut vertragen. Manchmal kann die Körpertemperatur leicht erhöht sein. Auch das Haar fällt leicht aus, wird insgesamt weich und dünn. Bei Morbus Basedow können die Augäpfel hervortreten und wirken dann deutlich größer. Davon kann auch nur eines der beiden Augen betroffen sein.

Komplikation: Eine gefürchtete Komplikation der Schilddrüsenüberfunktion ist die thyreotoxische Krise ("Schilddrüsenvergiftung"). Diese kann z. B. auftreten, wenn Patient*innen zusätzlich eine andere schwere Erkrankung wie Infektionen oder Herzerkrankungen bekommen oder ein jodhaltiges Röntgenkontrastmittel injiziert bekommen. Besonders bei (noch) nicht ausreichend behandelter Schilddrüsenüberfunktion droht dann eine lebensbedrohliche Entgleisung des Schilddrüsenstoffwechsels. Die thyreotoxische Krise kann bis zum Koma führen und ist trotz intensivmedizinischer Behandlung in über 20 % der Fälle tödlich.

Diagnosesicherung

Mehr als 30 % der Bevölkerung haben eine vergrößerte oder knotig veränderte Schilddrüse. Aber längst nicht bei allen ist die Schilddrüse gleichzeitig auch überaktiv. Um eine Überfunktion abzugrenzen, führt die Ärzt*in bestimmte Untersuchungen durch. Hierzu zählen verschiedene Blutuntersuchungen im Labor, Ultraschall und Szintigrafie. Im Blut ist üblicherweise das TSH erniedrigt, T3 und T4 sind erhöht. Ultraschall und Szintigrafie zeigen charakteristische Veränderungen und Anreicherungsbezirke. Bei Verdacht auf Morbus Basedow werden die für die Krankheit verantwortlichen TSH-Rezeptor-Antikörper im Blut bestimmt. Eine Augenbeteiligung muss zudem augenärztlich abgeklärt werden.

Differenzialdiagnosen. Andere Ursachen für eine vergrößerte Schilddrüse sind Jodmangel, Schilddrüsenentzündungen oder Zysten sowie Tumoren. Auch eine genetische Veranlagung und natürliche Alterungsprozesse können zur Vergrößerung in der Schilddrüse mit oder ohne Knotenbildung führen. Die Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion können auch bei Tumorerkrankungen sowie bei anderen Stoffwechselerkrankungen auftreten, z. B. bei einem Diabetes mellitus. Außerdem kann der Missbrauch bestimmter Drogen wie Kokain und Amphetamine ein ähnliches Beschwerdebild verursachen.

Behandlung

Jede Schilddrüsenüberfunktion wird mit Medikamenten behandelt, die die Hormonbildung reduzieren (Thyreostatika).

Bei einer Schilddrüsenautonomie ist das jedoch in der Regel keine Dauerlösung. Meist ist zusätzlich eine Radiojodtherapie oder eine operative Teilentfernung der Schilddrüse notwendig.

Radiojodtherapie. Die Radiojodtherapie ist eine sehr gezielte Strahlentherapie mit geringer Strahlenbelastung. Sie ist eine Alternative zur Operation, wenn ein erhöhtes Operationsrisiko besteht oder wenn eine Operation abgelehnt wird. Sie wird außerdem eingesetzt bei einem kleinen oder mittelgroßen Kropf (mit oder ohne Autonomie) und bei bestimmten Formen von Schilddrüsenkrebs nach der Operation.

Verwendet wird radioaktives 131Jod, das wie das normale Jod von den Zellen des Schilddrüsengewebes aufgenommen wird. Das radioaktive Jod sendet nun Betastrahlen mit wenigen Millimetern Reichweite aus, was die umliegenden Schilddrüsenzellen zerstört, angrenzende Nachbarorgane aber verschont. Die Radiojodtherapie kann auch bei jüngeren Patientinnen mit Kinderwunsch angewendet werden. Zuvor muss aber eine Schwangerschaft ausgeschlossen und bis zu 12 Monate nach der Untersuchung sicher verhindert werden.

Die Erfolgsrate der Radiojodtherapie liegt bei ~ 90 %. Allerdings: Als vorübergehende Folgen der Strahlenbehandlung sind Entzündungen der Speicheldrüsen oder des Magens (Gastritis) möglich. Als späte Nebenwirkung bei hochdosierter Radiojodtherapie besteht ein minimal erhöhtes Krebsrisiko. Nach Jahren und Jahrzehnten entwickelt sich in weniger als 1 % der Fälle eine Krebserkrankung, am häufigsten eine akute Leukämie oder ein Schilddrüsenkrebs.

Manchmal reicht das restliche Schilddrüsengewebe nach der Operation und der Radiojodtherapie nicht mehr zur normalen Produktion an Hormonen aus. Dann kommt es zur Schilddrüsenunterfunktion, die eine lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen erfordert (Hormonersatztherapie).

Auch beim Morbus Basedow wird operiert, falls die Schilddrüsenüberfunktion nach Absetzen der Medikamente wieder aufflammt. Eine Augenbeteiligung wird mit Kortison, Strahlentherapie und/oder operativ behandelt.

Nachsorge. Eine Schilddrüsenüberfunktion erfordert unabhängig von der Therapie regelmäßige, oft sogar lebenslange, Kontrolluntersuchungen der Schilddrüsen-Hormonspiegel im Blut. Zum Teil ist auch lebenslange Einnahme von Schilddrüsenhormonen nötig (Hormonersatztherapie).

Prognose

Die Prognose der Schilddrüsenüberfunktion ist in den meisten Fällen gut. Je nach Ursache lässt sich die Erkrankung oft vollständig heilen. Wird die Schilddrüsenüberfunktion von einem Tumor verursacht, hängt die Prognose von der Art des Tumors ab.

Ihre Apotheke empfiehlt

Was Sie selbst tun können

Thyreostatika.

Die Behandlung einer Schilddrüsenüberfunktion beginnt immer mit Medikamenten, die die Hormonbildung unterdrücken. Halten Sie sich bei der Einnahme immer genau an die Vorgaben Ihrer Ärzt*in. In der Regel werden die Medikamente morgens nach dem Frühstück mit viel Flüssigkeit eingenommen. Manchmal sind regelmäßig über den Tag verteilt weitere Tabletten notwendig.

Radiojodtherapie.

Die Radiojodtherapie wird bei vielen Patient*innen mit Schilddrüsenüberfunktion erfolgreich eingesetzt, hat aber auch einige Nebenwirkungen. Da sie die Speicheldrüsen angreift, kann eine ausgeprägte Mundtrockenheit entstehen. Hier helfen saure Bonbons oder Kaugummi. Außerdem sollte viel Flüssigkeit getrunken werden, auch um die Strahlenbelastung der Harnblase zu reduzieren.

Selbsthilfegruppen.

Selbsthilfegruppen stehen Betroffenen und ihren Angehörigen mit Rat und Tat zur Seite. Oft hilft es Patient*innen besonders, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, weil diese die Einschränkungen, Belastungen und Begleiterscheinungen der Erkrankung am besten verstehen können.

Komplementärmedizin

In der Pflanzenheilkunde wird Wolfstrapp zur Behandlung einer leichten Schilddrüsenüberfunktion eingesetzt. Verwendet wird das Kraut des Gemeinen Wolfstrapp (Lycopus europaeus) gemeinsam mit dem Kraut des Nordamerikanischen Wolfstrapp (Lycopus virginicus). Die medizinische Wirkung dieser beiden Heilpflanzen wird vor allem bestimmten sekundären Pflanzenstoffen zugeschrieben: den Flavonoiden und Hydroxyzimtsäurederivaten. Studien legen nahe, dass sie die Bildung und Wirkung der Schilddrüsenhormone hemmen und dadurch Beschwerden einer leichten Schilddrüsenüberfunktion lindern können.

Zu beachten ist, dass wolfstrapphaltige Präparate nur nach ärztlicher Rücksprache und in der ärztlich angeordneten Dosierung eingenommen werden sollten. Bei zu hoher Dosierung über einen längeren Zeitraum kann sich die Schilddrüse vergrößern. Wolfstrapp darf in keinem Fall bei einer Schilddrüsenunterfunktion oder bei einer Schilddrüsenvergrößerung ohne Funktionsstörung angewendet werden. Es dürfen außerdem gleichzeitig keine Schilddrüsenhormone eingenommen werden.

Prävention

Ein längerer Jodmangel kann eine Schilddrüsenautonomie provozieren. Deshalb ist eine ausgewogene Jodzufuhr ratsam. Verwenden Sie deshalb regelmäßig jodiertes Speisesalz. Aber auch eine Jodüberdosierung kann eine Schilddrüsenüberfunktion begünstigen, z. B. durch hochdosierte Jodtabletten oder Algenpräparate.

Weiterführende Informationen

Schilddrüsenliga Deutschland e.V.: Beratung, Information und Selbsthilfegruppen für verschiedene Schilddrüsenerkrankungen

Quellen:

  • Pschyrembel (2026) Hyperthyreose. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 03.09.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Hyperthyreose/K0ACB
  • Amboss (2026) Hyperthyreose. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 03.09.2026 unter https://next.amboss.com/de/article/bg0HF2?q=Hyperthyreose
  • Herold - Innere Medizin (2026) Hyperthyreose. Webartikel zur Klinischen Praxis. Abgerufen am 03.09.2026 unter https://www.pschyrembel.de/Hyperthyreose/L0L9L/doc/

Autor*innen

Kristine Raether-Buscham, Dr. med. Arne Schäffler in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Überarbeitung und Aktualisierung: Daniela Grimm | zuletzt geändert am um 14:37 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner*innen geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung in Ihrer Apotheke ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.