Beschwerden in Sprunggelenk oder Ferse

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Beim Umknicken nach außen werden oft die Bänder überdehnt.

Ein falscher Tritt, eine ungewohnte Bewegung oder einfaches Umknicken – es gibt viele Ursachen für Beschwerden im Sprunggelenk oder der Ferse. Grund hierfür ist, dass täglich ein Großteil unseres Körpergewichts auf diesen beiden Strukturen lastet.

Bei jüngeren Menschen spielen vorrangig Verletzungen wie ein Knöchelbruch oder Bänderriss eine Rolle. Bei Älteren hingegen bereiten entzündliche Erkrankungen wie Arthritis, Sehnen- oder Schleimbeutelentzündungen sowie Verschleißerscheinungen der Achillessehne oder Arthrose Probleme beim Laufen und Stehen.

Treten Schmerzen beim Sport oder längerem Stehen sowie Laufen auf, sind oftmals eine Verknöcherung, z. B. ein Fersensporn, oder eine Knorpel- bzw. Knochenerkrankung ursächlich für die Beschwerden.

Halten die Schmerzen im Sprunggelenk oder der Ferse trotz Ruhigstellung über mehrere Tage an oder steigern sich sogar, ist der Gang zum Arzt unerlässlich, um der Ursache auf den Grund zu gehen und richtig behandeln zu können.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Schmerzen, starke Schwellung und Bluterguss am Außenknöchel nach Umknicken oder Übertreten des Fußes nach außen; meist Gehen oder Stehen unmöglich; evtl. fühlbares Krachen beim Übertreten

Ursachen:

  • Außenknöchelbruch
  • Außenbandriss
  • Zerrung der Außenbänder

Maßnahmen:

  • Sofort zum Orthopäden oder in die Klinik, wenn Auftreten nicht mehr möglich ist
  • In den nächsten Tagen zum Arzt, wenn die Beschwerden länger als 3 Tage anhalten

Erstmaßnahmen:

  • Kühlen, z. B. mit Eisbeutel, Kühlpack
  • Bein hochlagern

Schmerzen, starke Schwellung und Bluterguss am Innenknöchel nach Umknicken oder Übertreten des Fußes nach innen

Ursache:

  • Bruch des Innenknöchels

Maßnahmen:

  • Sofort zum Orthopäden oder in die Klinik, wenn Auftreten nicht mehr möglich ist
  • In den nächsten Tagen zum Arzt, wenn die Beschwerden länger als 3 Tage anhalten

Erstmaßnahmen:

  • Kühlen, z. B. mit Eisbeutel, Kühlpack
  • Bein hochlagern

Druckschmerzhafte Schwellung hinter dem Außenknöchel, oft nach Skiunfällen (Sturz nach vorne)

Ursache:

  • Verrenkung der Peroneussehne (Peronealsehnenluxation)

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Orthopäden oder Hausarzt

Hörbarer Knall und evtl. stechende Schmerzen oberhalb der Ferse, oft nach abrupten Bewegungen (Ansprinten, Springen); oft tastbare Delle, Vorwölbung an der Wade, Gehen schmerzhaft, Zehenstand unmöglich

Ursache:

Maßnahme:

  • Sofort zum Orthopäden oder in die Klinik

Erstmaßnahmen:

  • Kühlen, z. B. mit Eisbeutel, Kühlpack
  • Bein hochlagern in Spitzfußstellung (Fuß gestreckt)

Schmerzen, Schwellung und Bluterguss an der Ferse nach Stürzen aus über 1 m Höhe; vollständige Belastungsunfähigkeit; oft abgeflachtes Fußgewölbe

Ursache:

  • Fersenbeinbruch (Kalkaneusfraktur)

Maßnahme:

  • Sofort zum Orthopäden oder in die nächste Klinik, wenn Auftreten nicht mehr möglich ist

Erstmaßnahmen:

  • Kühlen, z. B. mit Eisbeutel, Kühlpack
  • Bein hochlagern

Unsicherheitsgefühl beim Gehen auf unebenem Gelände; ständige leichte Schwellung des Außenknöchels; häufiges Umknicken

Ursache:

  • Chronische Bandinstabilität, meist als Folge von nicht erkannten oder unzureichend behandelten Außenbandrissen

Maßnahme:

  • Bei Gelegenheit zum Hausarzt oder Orthopäden

Selbsthilfe:

  • Schuhe mit hohem Schaft und niedrigem, breiten Absatz

Zunehmende, belastungsabhängige Schmerzen im Sprunggelenk; wechselnde Schwellung; zunehmende Probleme beim Abrollen des Fußes

Ursache:

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt oder Orthopäden

Selbsthilfe:

  • Übergewicht reduzieren
  • Gelenkschonender Sport (z. B. Radfahren, Schwimmen)

Schubweise zunehmende, meist symmetrische Schmerzen an Sprunggelenken und anderen Gelenken (v. a. an der Hand); spindelförmige Schwellungen; morgendliche Steifigkeit der betroffenen Gelenke; oft leichtes Fieber, Müdigkeit

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt oder Orthopäden

Selbsthilfe:

  • Bei akuten Gelenkschmerzen Kälteanwendungen, z. B. Eisbeutel, Kühlpack

Offene Stellen am Innenknöchel, evtl. auch Unterschenkel; oft tagsüber zunehmende Schwellung und Schweregefühl in den Beinen; oft Krampfadern

Ursache:

Offenes Bein (Ulcus cruris), meist als Folge von

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt, wenn die Beschwerden neu auftreten oder sich plötzlich verschlimmern

Selbsthilfe:

  • Stützstrümpfe
  • Beingymnastik, Radfahren, Schwimmen, Wandern
  • Beine oft hochlegen, Fußende des Bettes hochstellen

Belastungsabhängige Schmerzen, Schwellungen und eingeschränkte Beweglichkeit am Sprunggelenk; oft bei Jugendlichen; oft plötzliche Blockierungen

Ursache:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Orthopäden

Schmerzen an der hinteren Ferse; anfangs v. a. bei Belastung oder Dehnung, später oft auch in Ruhe; oft druckschmerzhafte Schwellung, Rötung und/oder Schwielen; oft nach Überlastung bei Lauf- und Sprungsportarten

Ursache:

Achillodynie, z. B. bei

  • Entzündungen von Ansatz und/oder Gleitgewebe der Achillessehne
  • Verschleißerscheinungen an der Achillessehne
  • Oberem Fersensporn
  • Schleimbeutelentzündung

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt oder Orthopäden

Selbsthilfe:

  • Bei akuten Schmerzen und nach Belastungen Kälteanwendungen, z. B. Eisbeutel, Kühlpack
  • Sportsalben (z. B. Dolo-Arthrosenex® Gel, Diclo-Gel®)
  • Schuhe ohne Kappe oder mit weiter Kappe

Stechende Schmerzen an der Unterseite der Ferse, v. a. bei Belastung und Druck

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt, Orthopäden oder Hautarzt

Fersenschmerzen und tiefsitzende Kreuzschmerzen, v. a. nachts und in Ruhe; oft wechselnde Schmerzen und Schwellungen an großen Gelenken (z. B. Sprunggelenk); morgendliche Steifigkeit der betroffenen Gelenke

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt oder Orthopäden

Selbsthilfe:

  • Feste Matratze, untertags mehrfach kurz hinlegen

Ihr Apotheker empfiehlt

Treten Beschwerden im Sprunggelenk oder der Ferse nicht nur vorübergehend auf, sollten Sie Klarheit über die Ursache gewinnen. Dies erfordert fast immer den Arztbesuch. Unabhängig davon gibt es Einiges, was Sie selbst tun können:

Schuhwerk

. Bei Schmerzen empfiehlt es sich die Schuhe auszuziehen oder weite, weiche, gepolsterte Schuhe mit flachen und breiten Absätzen zu tragen.

Physikalische Therapie

. Am wichtigsten ist es, seine Beschwerden gut zu beobachten und selbst herauszufinden, welche Art von Bewegung guttut. Generell gilt: in den meisten Fällen ist eine gelenkschonende Bewegung besser als ein völliges Ruhigstellen. Sind Entzündungen, Schwellungen oder Ödeme ursächlich für die Beschwerden, sollte man die betroffenen Stellen kühlen, enge Schuhe vermeiden und die Füße hochlagern.

Medikamentöse Therapie

. Bei Beschwerden im Sprunggelenk oder der Ferse greifen viele Betroffene zu Schmerzmitteln oder entzündungshemmenden Medikamenten: einerseits, um die Schmerzen zu lindern, andererseits, um die üblichen Entzündungs- oder Gewebsreaktionen einzudämmen. Geeignet sind verschreibungsfreie nichtsteroidale Antirheumatika wie Dicolfenac, Paracetamol und Ibuprofen. Diese sind in Tablettenform, aber teilweise auch als Salben erhältlich. Vorsicht ist bei Acetylsalicylsäure (z. B. Aspirin®) geboten: Bei Kindern unter 12 Jahren kann es bei gleichzeitigem Virusinfekt zu dem gefährlichen Reye-Syndrom mit Gehirn- und Leberschäden kommen. Bei Schwangeren ist am ehesten Paracetamol anzuraten, falls ein Verzicht auf schmerzlindernde Medikamente nicht möglich ist.

Vorsicht: Wirken Schmerzmittel und betäuben effektiv den Schmerz, besteht somit die Gefahr, das Sprunggelenk bzw. die Ferse zu früh wieder zu belasten und neu Verletzungen zu riskieren. Alle Schmerzmittel sind bei längerer Einnahme als 7 Tage problematisch. Es erhöht sich das Risiko für Nierenschäden oder Magengeschwüre. In einigen Fällen nimmt die Schmerzempfindlichkeit zu und schmerzmittelbedingte Kopfschmerzen stellen sich ein.

Sportgele

. Gele mit Menthol und Salicylaten kühlen und reduzieren gleichzeitig die Schwellung. Diclofenac-haltige Salben und Gele lindern Schmerzen bei Entzündungen.

Pflanzliche Präparate

. Diese sind in Gel- und Salbenform erhältlich, aber auch als Tinktur für Einreibungen und Umschläge, z. B. mit Beinwellwurzelextrakt (z. B. Kytta® Salbe f), Arnika (z. B. Kneipp Arnika Salbe® S) oder Kampfer (z. B. Camphoderm® N). Sie wirken schmerzlindernd, abschwellend sowie entzündungshemmend und kommen v. a. bei mäßigen Schmerzen zum Einsatz. Viele Sportler schwören auf ein Präparat, das als Pferdesalbe verkauft wird und Pflanzenextrakte wie Arnika, Rosmarin, Kampfer und Menthol enthält.

Tapes und Bandagen

. Orthopädische Tapes und Bandagen stabilisieren und entlasten damit das Sprunggelenk. Sprunggelenkbandagen sind in der Anwendung besonders unkompliziert, da sie sich einfach über den Fuß ziehen lassen. Noch einfacher geht es mit Klettverschlussbandagen, die sich beim Verschließen flexibel an das Gelenk anpassen lassen. Bei allen Bandagen gilt: Sie sollten so fest sitzen, dass sie Halt geben, aber nicht die Blutzufuhr unterbrechen. Tapes werden so auf die Haut aufgeklebt, dass unerwünschte Bewegungen erschwert oder verhindert werden. Am besten lassen Sie sich beim Kauf beraten und genau erklären, was beim Tragen und Anbringen zu beachten ist.

Verletzungen vorbeugen

. Wie bei allen Gelenken gilt auch beim Sprunggelenk: Regelmäßige Bewegung stärkt die Muskulatur und beugt Verletzungen vor. Fragen Sie Ihren Physiotherapeuten oder Arzt, was die besten Übungen für Sie sind, damit ihr Sprunggelenk und die Ferse gestärkt und entlastet werden. Beispielsweise können kleinere Spaziergänge auf weichem Boden oder Radfahren in den Alltag eingebaut werden. Da Sprunggelenks- oder Fersenbeschwerden auch infolge von Übergewicht und Fehlbelastung auftreten, wird empfohlen, auf das Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen generell zu verzichten und auf ein gesundes Gewicht zu achten.

Autoren

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Redaktionelle Bearbeitung: Christina Winzig | zuletzt geändert am um 10:32 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung durch Ihren Apotheker ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.
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