Müdigkeit und Abgeschlagenheit (zeitweise)

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Zeitweise Müdigkeit und Abgeschlagenheit gehören zum Leben wie Schnupfen und Erkältung – und haben an sich noch keinen Krankheitswert. Schließlich besteht der Alltag der meisten Menschen heutzutage aus viel Stress und oft eher wenig Schlaf.

Wenn die Müdigkeit aber zum Dauerzustand wird, ungewöhnlich früh am Tag schon einsetzt oder seelische Probleme wie Antriebslosigkeit und Gedankenkreisen mit sich bringt, sollte etwas unternommen werden. Ein guter erster Schritt ist, Körper und Geist einfach mal eine Pause zu gönnen.

Hilft dies nichts, ist der Gang zum Hausarzt angesagt: denn viele chronische oder gar lebensbedrohliche Erkrankungen zeigen sich als erstes durch eine krankhafte Müdigkeit und Abgeschlagenheit. Insbesondere ernste psychische Erkrankungen gehen fast regelmäßig mit Veränderungen im Schlafmuster und Schlafstörungen einher. Aber auch die sehr häufige Blutarmut (Anämie) zeigt sich regelmäßig durch Müdigkeit und Abgeschlagenheit.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Müdigkeit und Abgeschlagenheit bei Schlafmangel oder -störungen; Konzentrationsschwierigkeiten

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt, bei schon länger depressiven Beschwerden in den nächsten Tagen

Selbsthilfe bei Schlafstörung:


Müdigkeit bei Bewegungsmangel oder bei Langeweile

Ursachen:

Selbsthilfe und Unterstützung durch Angehörige:

  • Für regelmäßige Bewegung sorgen, Kontakte schaffen, positive Lebensbewältigung fördern

Müdigkeit und Antriebslosigkeit in oder vor schwierigen und belastenden Situationen; oft Konzentrations- und/oder Gedächtnisstörungen; evtl. körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Magenschmerzen

Ursachen:

Maßnahme:

  • Bei Gelegenheit zum Hausarzt, wenn sich derartige Situationen häufen

Selbsthilfe:


Müdigkeit und Abgeschlagenheit bei Wetterumschwung (z. B. Föhn)

Ursachen:

Selbsthilfe:

  • Regelmäßiger Tagesrhythmus
  • Bei entsprechendem Wetter auf Alkohol verzichten

Morgendliche Müdigkeit und Abgeschlagenheit; oft Schwindel, Herzklopfen und/oder Ohrensausen bei raschem Aufstehen; evtl. Kopfschmerzen

Ursache:

Selbsthilfe:

  • Schlafen mit erhöhtem Oberkörper
  • Vor dem Aufstehen trinken, leichte Gymnastikübungen (z. B. Beinkreisen, "Radeln")

Rasche Ermüdbarkeit, Kurzatmigkeit und Herzklopfen bei körperlicher Belastung; Blässe oder blaue Lippen; evtl. Husten

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt bei neuem Auftreten der Beschwerden

Müdigkeit oder Benommenheit nach Medikamenteneinnahme; evtl. Konzentrations- und Gedächtnisstörungen; evtl. Schwindel

Ursache:

Wirkung/Nebenwirkung von zahlreichen Medikamenten, z. B.

  • Beruhigungsmitteln
  • Schlafmitteln
  • Starken Schmerzmitteln (Opioiden)
  • Antihistaminika
  • Mitteln gegen Übelkeit und Reisekrankheit

Maßnahme:

  • Beim nächsten Arztbesuch ansprechen, wenn Sie diese Nebenwirkung auf dem Beipackzettel eines verordneten Medikaments finden

Selbsthilfe:

  • Verminderte Reaktionsfähigkeit beachten (z. B. im Verkehr)

Ihr Apotheker empfiehlt

Erholsamer Schlaf.

Abnorme Müdigkeit ist in erster Linie ein Zeichen für zu wenig oder schlechten Schlaf. Experten empfehlen ab dem Teenageralter eine Schlafdauer von 7 bis 9 Stunden pro Nacht. Schulkinder benötigen etwas mehr, Senioren etwas weniger. Zwischen Zubettgehen und Einschlafen sollen maximal 30 Minuten liegen. Merklich aufwachen sollte man höchstens einmal in der Nacht, und dann nach spätestens 20 Minuten wieder einschlafen.

Feste Schlafgewohnheiten.

Wer konsequent innerhalb eines Zeitfensters von max. 60 Minuten (also etwa zwischen 22 und 23 Uhr) zu Bett geht, stärkt seine "innere Uhr" und fühlt sich in seiner Wachzeit besser ausgeruht. Weitere Maßnahmen der Schlafhygiene fördern den gesunden Schlaf-Wach-Rhythmus: Dazu gehören

  • ein kühles und abgedunkeltes Schlafzimmer
  • der Verzicht auf Fernseh- oder Smartphone-Konsum in den letzten 2 Stunden vor dem Zubettgehen
  • der Verzicht auf Genussmittel wie Kaffee und größere Mengen von Alkohol vor dem Zubettgehen
  • das Schlafzimmer nur zum Schlafen (und zum Sex) zu verwenden, aber nicht für mehr als 30 Minuten Lesen oder anderes
  • einen Mittagsschlaf auf maximal 20 Minuten zu begrenzen
  • bei häufigen Störungen durch den Partner getrennte Schlafzimmer zu erwägen (Studien sagen: Das ist eine wirksame Maßnahme).

Nacht- und Schichtarbeit sind Gift für einen erholsamen Schlaf. Wer davon betroffen ist, sollte ggf. mit ärztlicher Hilfe eine Befreiung von den Nachtschichten oder einen Arbeitsplatzwechsel erwägen.

Mangelerscheinungen beseitigen.

Häufig liegt bei Müdigkeit eine Anämie (Blutarmut) vor, die u. a. durch einen Mangel an Eisen oder Vitaminen (B12, Folsäure) verursacht wird. In dem Fall könnte eine Ernährungsumstellung oder eine Eisen- oder Vitaminzufuhr als Nahrungsergänzungsmittel Abhilfe schaffen (etwa bei Schwangeren und Veganern). Auch ein Vitamin-D-Mangel ist in der nördlichen Hemisphäre nicht untypisch – hier hilft vor allem das gute alte Sonnenlicht.

Medikation umstellen.

Einige Arzneimittel sind bekannt dafür, müde zu machen: Dazu zählen Blutdrucksenker, Antidepressiva und Antihistaminika. Bei starken Nebenwirkungen gilt es zu erwägen, die Dosis anzupassen oder den Wirkstoff zu wechseln. Das sollte jedoch nicht eigenmächtig passieren, sondern stets mit dem behandelnden Arzt abgesprochen sein.

Phytotherapie.

Vor allem Baldrian – und weniger stark Hopfen, Melisse und Passionsblume – haben eine beruhigende Wirkung und sind daher bei Schlafstörungen und nervöser Erschöpfung zu empfehlen. Bei Baldrian ist eine ausreichend hohe Dosierung wichtig: Die Stiftung Warentest empfiehlt 900 mg Baldrian-Extrakt zur Nacht. Gesellen sich zur Abgeschlagenheit depressive Symptome hinzu, wirkt Johanniskraut stimmungsaufhellend. Auch hier empfehlen sich wissenschaftlich getestete und ausreichend dosierte Präparate aus der Apotheke mit mindestens 500 mg pro Tag. Aber: Johanniskraut hilft nicht bei schwereren Depressionen, die Einnahme kann in diesem Fall eine notwendige wirksame Therapie verschleppen. Depressive Symptome sind daher in jedem Fall mit dem Arzt zu besprechen.

Stress- und Konfliktmanagement.

Stressoren gibt es im Alltag viele: Seien es ständige Überstunden, Streit mit dem Partner oder Sorge um die kranken Eltern. Situationen und Verhaltensweisen, die ein Übermaß an Stress und Konflikten verursachen, gilt es zu überdenken. Idealerweise führt das dazu, die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu priorisieren – z. B. sich mehr Zeit für sich selbst zu nehmen. Auch bei der Arbeit lassen sich schon mit wenig Aufwand viele Störquellen eindämmen – z. B. indem E-Mails und Anrufe nur zu festen Zeiten beantwortet werden.

Entspannungsverfahren.

Entspannungstherapien ermöglichen das Abschalten vom stressigen Alltag, indem sie entweder die Aufmerksamkeit gezielt wegbewegen von negativen Gedanken und Beschwerden oder einen gesünderen Umgang mit ihnen erzielen. Entspannungsverfahren können eher bewegungsorientiert sein wie z. B. Yoga, sich auf körperliche Empfindungen konzentrieren (Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung) oder dabei helfen, den Geist zu "reinigen" (Meditation). Massagen oder Hypnose bieten von außen zugeführte Entspannung.

Psychotherapie.

Dauerhaft starke nervliche Belastungen führen nicht selten zu Krankheitsbildern wie Burnout, Depression oder Chronisches Erschöpfungssyndrom. Hier kommt die Selbsthilfe an ein Ende – professionelle psychotherapeutische Hilfe ist angesagt. Je nach persönlicher Präferenz kann u. a. zwischen tiefenpsychologischen, klientenzentrierten oder systemischen Therapieformen gewählt werden.

Autoren

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel. Sektion „Ihr Apotheker empfiehlt“: Dr. med. Arne Schäffler; Leonard Olberts | zuletzt geändert am um 09:30 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung durch Ihren Apotheker ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.
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