Übermäßiger Durst

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Das Durstzentrum im Gehirn meldet sich, wenn der Wasseranteil im Körper abnimmt.

Durst tritt immer dann auf, wenn der Wasseranteil des Körpers um mindestens 0,5 % abnimmt oder ein Salzüberschuss besteht. Sensoren im Durstzentrum des Zwischenhirns messen laufend den osmotischen Druck des Bluts, der seinerseits von der Flüssigkeitsmenge und Salzkonzentration im Blut abhängt. Steigt der osmotische Druck, z. B. durch unzureichendes Trinken oder salziges Essen, löst das Durstzentrum sofort ein Durstgefühl aus. Auch bestimmte Hormone, die bei Verringerung des Blutvolumens von der Niere abgegeben werden, können das Durstzentrum stimulieren.

Zu übermäßigem Durstgefühl führen alle – krankhaften wie nicht krankhaften – Bedingungen, die mit einem erhöhtem Flüssigkeitsverlust, einer verminderten Flüssigkeits- oder erhöhten Salzzufuhr verbunden sind. Starker Durst nach anstrengenden, schweißtreibenden Sporteinheiten oder auch nach salzigen Mahlzeiten sind also ganz normal und kein Grund zur Sorge. Verliert man viel Wasser, wie nach einer sommerlichen Wanderung oder Fahrradtour, hält der Durst auch am Folgetag noch an. Auch das ist normal und wichtig, damit der Wasserhaushalt wieder ins Gleichgewicht kommt.

Anders sieht es bei Erkrankungen wie Diabetes mellitus aus.

Die vermehrte Urinausscheidung kommt dadurch zustande, dass bei schlechter Stoffwechsellage und damit verbundenen hohen Blutzuckerwerten vermehrt Zucker über die Niere ausgeschieden wird (Glukosurie). Da Zucker aufgrund physikalischer Gesetze Wasser bindet, kommt es automatisch mit der verstärkten Zuckerausscheidung auch zu einer vermehrten Wasserausscheidung.

Der Körper reagiert mit gesteigertem Durst, sodass Betroffene mehr trinken ("Polydipsie"), um dem Körper die verlorene Flüssigkeit wieder zuzuführen.

Auch einige Hormonstörungen erhöhen die Wasserausscheidung über die Nieren – im Vergleich zum Diabetes sind diese Krankheiten sehr selten.

Ein Sonderfall ist vermehrter Durst oder zwanghaftes Trinken, aufgrund einer psychischen Störung. In diesem Fall ist das vermehrte Trinken ein Zwang oder eine antrainierte Gewohnheit.

Übermäßiges Trinken ohne Notwendigkeit ist aber gefährlich: Wer schnell sehr große Mengen Wasser zu sich nimmt, ohne gleichzeitig die Elektrolytzufuhr anzupassen, kann eine Wasservergiftung erleiden. Die Versuchung dazu spüren zum Beispiel Marathonläufer oder Radtourenfahrer. Bei der sogenannten hypotonen Hyperhydration ist v. a. der prozentuale Anteil an Natrium zu gering. Folgen sind Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Hirnödemen, Krämpfen und sogar Tod.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Vermehrter Durst bei starker Hitze, Fieber, Saunagängen und Ähnlichem

Ursache:

  • Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen

Selbsthilfe:

  • Mineralwasser

Vermehrter Durst bei/nach starker körperlicher Anstrengung; Nachlassen der Kraftleistung; evtl. Konzentrationsstörungen

Ursache:

  • Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen und vermehrte Atmung

Selbsthilfe:

  • Kohlensäurearme Mineralwasser (evtl. mit Fruchtsaft), isotone Getränke (im Hochleistungssport); nach starkem Wasserverlust langsam und schluckweise

Vermehrter Durst bei länger anhaltendem Durchfall und/oder Erbrechen; trockene Lippen, trockene Zunge, Haut und Schleimhäute; stehende Hautfalten; evtl. Unruhe, Verwirrtheit; Selbstuntersuchung auf Austrocknung

Ursache:

Maßnahme:

  • Sofort Hausarzt rufen oder in die Klinik, wenn keine Flüssigkeit behalten wird und die Beschwerden zunehmen

Selbsthilfe:

  • Bei wiederholtem Erbrechen: schluckweise Getränke, zunächst wird kaltes Wasser bevorzugt, weil es den üblen Geschmack in der Mundhöhle am besten beseitigt
  • Bei Durchfall: möglichst viel trinken

Vermehrter Durst nach Genuss stark salzhaltiger Speisen

Ursache:

  • Relativer Flüssigkeitsmangel (Hypertone Dehydratation: Mangel an freiem Wasser im Körper)

Selbsthilfe:

  • Wasser, Kräuter- oder Früchtetee

Vermehrter Durst nach Genuss größerer Mengen Alkohol ("Brand")

Ursache:

  • Flüssigkeitsverlust durch vermehrtes Wasserlassen und Elektrolytverschiebung

Selbsthilfe:

  • Wasser, Kräuter- oder Früchtetee, klare Brühe

Ständiger Durst, vermehrtes Wasserlassen und ausgeprägte Muskelschwäche; evtl. Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und/oder Verstopfung; evtl. Knochenschmerzen; evtl. depressive Stimmung

Ursache:

Hyperkalzämie (erhöhter Kalziumspiegel im Blut), z. B. infolge

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Selbsthilfe:

  • Kalziumreiche Nahrungsmittel (z. B. Milchprodukte) meiden

Plötzlich auftretender starker Durst und vermehrtes Wasserlassen; Gewichtsverlust; Abgeschlagenheit

Ursache:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Haus- oder Kinderarzt

Ständiger, quälender Durst und stark vermehrtes Wasserlassen, auch nachts; Trockenheit von Haut und Schleimhäuten; Leistungsabfall; evtl. Kopfschmerzen, Sehstörungen

Ursache:

  • Diabetes insipidus, aus unbekannter Ursache oder z. B. bei Schädel-Hirn-Verletzungen, Gehirntumoren, chronischem Nierenversagen

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt

Starkes Durstgefühl, exzessiv gesteigertes Trinkverhalten und vermehrtes Wasserlassen; Beschwerden vornehmlich tagsüber; oft beginnend in Zeiten seelischer Belastung; keine Zeichen der Austrocknung

Ursache:

  • Psychisch bedingte Steigerung der Trinkmenge (psychogene Polydipsie)

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Haus- oder Nervenarzt

Vermehrter Durst bei Medikamenteneinnahme; oft vermehrtes Wasserlassen; evtl. trockener Mund

Ursache:

Maßnahme:

  • Beim nächsten Arztbesuch ansprechen, wenn Sie diese Nebenwirkung auf dem Beipackzettel eines verordneten Medikaments finden

Ihr Apotheker empfiehlt

Ausreichend Trinken.

Zu wenig Trinken macht naturgemäß durstig – aber wieviel Flüssigkeit sollte man täglich zu sich nehmen? Häufig propagiert werden Richtwerte zwischen 1,5 und 3 Litern. Dabei ist anzuzweifeln, ob solche allgemeinen Richtlinien wirklich sinnvoll sind. Um den eigenen Flüssigkeitshaushalt zu kontrollieren, hat sich stattdessen ein einfacher Trick bewährt: die Färbung des Urins. An dieser lässt sich nämlich ganz leicht erkennen, ob man genug getrunken hat. Ist der Urin sehr dunkel gefärbt, sollte man besser nochmal zur Wasserflasche greifen, heller Urin signalisiert, dass die Trinkmenge in Ordnung ist.

Flüssigkeitsverlust ausgleichen.

Durchfall und Erbrechen sorgen dafür, dass der Körper innerhalb kurzer Zeit große Flüssigkeitsmengen verliert. Um ein Austrocknen (Dehydratation) zu verhindern, sollte man dann vermehrt Trinken. Gut eignen sich kaltes oder warmes Wasser, Tee, verdünnte Fruchtsäfte und klare Suppenbrühe. Ist man auf Reisen und trinkbares Wasser nicht zu bekommen, sind Cola, Fanta und andere Softdrinks das Mittel der Wahl. Auch Kleinkinder kann man mit Softdrinks am ehesten zu ausreichendem Trinken bringen. In vielen Apotheken gibt es außerdem fertige Rehydratationslösungen, die gleichzeitig Elektrolytverluste ausgleichen.

Gegen den Kater antrinken.

Nach einer durchzechten Nacht folgt meist der sprichwörtliche "Brand". Alkohol entzieht dem Körper nämlich Wasser, u. a. indem er das Hormon Adiuretin unterdrückt, wodurch mehr Flüssigkeit über den Urin ausgeschieden wird. Um diese Flüssigkeit dem Körper wieder zuzuführen., hilft nur eins: Trinken – und zwar am besten Wasser, Schorle oder Tee. Wer zum Kaffee greift, riskiert, die durch den Alkohol bereits angegriffene Magenschleimhaut noch weiter zu reizen. Bewährt hat sich auch das Löffeln von Gemüsebrühe, um so gleichzeitig Elektrolytimbalancen auszugleichen.

Autoren

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; in: Gesundheit heute, herausgegeben von Dr. med. Arne Schäffler. Trias, Stuttgart, 3. Auflage (2014). Redaktionelle Bearbeitung: Sara Steer | zuletzt geändert am um 12:52 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung durch Ihren Apotheker ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.
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