Schluckstörung vornehmlich beim Trinken

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Schluckstörungen treten als Symptom bei verschiedenen Erkrankungen auf. Einen ersten Hinweis auf die zugrundeliegende Ursache liefert die Frage, ob eine Schluckstörung vornehmlich beim Trinken oder der Aufnahme fester Speisen besteht. Das Schlucken von Flüssigkeiten ist v. a. erschwert bei Entzündungen im Mund-Rachen-Raum oder bei Lähmungen der Schluckmuskulatur, wie sie beispielsweise bei Parkinson oder Schlaganfall auftreten. In letzterem Fall geht die Schluckstörung oft mit einem vermehrten Speichelfluss aus dem Mund einher.

Ist der Schluckvorgang vor allem bei der Aufnahme fester Nahrung beeinträchtigt, spricht dies eher für eine Entzündung, Einengung oder Funktionsstörung der Speiseröhre. Typische Begleitsymptome sind ein unangenehmes Fremdkörpergefühl im Hals oder Schmerzen, die während oder kurz nach dem Schluckakt auftreten. Auch starke Mundtrockenheit kann das Schlucken fester Nahrung deutlich erschweren.

Beschwerdebilder, ihre Ursachen, Maßnahmen und Selbsthilfe

Schmerzhafte Schluckstörung, mit Mundgeschwüren und Fieber; verstärkter Speichelfluss; oft geschwollene Lymphknoten im Kieferwinkel; Mundgeruch

Ursachen:

  • Mundfäule (Stomatitis aphthosa)
  • Herpangina (virale Infektion der Mundschleimhaut und Gaumenmandeln)
  • Hand-Mund-Fuß-Krankheit (Virus-Infektion mit Fieber, Halsschmerzen, Bläschenbildung an Händen und Füßen sowie Aphthen an der Mundschleimhaut)
  • Akute nekrotisierende ulzeröse Gingivitis (ANUG, schwere Entzündung der Mundschleimhaut)

Maßnahme:

  • Am selben Tag zum Kinder- oder Hausarzt

Selbsthilfe:

  • Auf ausreichende Trinkmenge achten (z. B. abgekühlten Kamillentee oder kaltes Wasser)
  • Evtl. mit Strohhalm trinken
  • Pinselungen durchführen oder gurgeln, z. B. mit Kamille-, Salbei-, Rathania- oder Myrrhetinktur

Schmerzhafte Schluckstörung mit Fieber und/oder Erkältungszeichen; meist geschwollene Lymphknoten im Kieferwinkel; oft kloßige Sprache; Schmerzen oft ins Ohr ausstrahlend; evtl. zunehmende Atemnot

Ursachen:

Maßnahmen:

  • Notarzt rufen bei brodelndem Atemgeräusch oder Atemnot
  • Am selben Tag zum Hausarzt bei Fieber über 39 °C oder starken Schmerzen

Selbsthilfe:

  • Zwiebelwickel um den Hals legen
  • Gurgeln, z. B. mit Gurgellösungen, Salbei- oder Kamillentee
  • Schmerzstillende Lutschpastillen lutschen

Rasch zunehmende Schluckstörung mit neurologischen Beschwerden, z. B. Sprechstörungen, Sehstörungen, Lähmungen (auch im Gesicht) oder Taubheitsgefühl; Benommenheit bis Bewusstlosigkeit

Ursachen:

Maßnahmen:

  • Bei plötzlichem Auftreten Notarzt rufen
  • Ansonsten am selben Tag zum Hausarzt oder in die Klinik

Langsam zunehmende Schluckstörung mit neurologischen Beschwerden, z. B. Sprechstörungen, Sehstörungen, Lähmungen (auch im Gesicht) oder Taubheitsgefühl

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt oder Neurologen

Schluckstörung mit allgemeiner Muskelschwäche

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Tagen zum Hausarzt oder Neurologen bei neu auftretenden oder zunehmenden Beschwerden

Während des Essens zunehmende Schluckstörung mit Hochwürgen unverdauter Speisen, v. a. nachts und im Liegen, oft zusätzlich Mundgeruch

Ursachen:

Maßnahme:

  • In den nächsten Wochen zum Hausarzt

Ihr Apotheker empfiehlt

Gurgeln und Pinselungen.

Eine häufige Ursache für Schluckbeschwerden beim Trinken sind Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Gurgeln oder Pinselungen, am besten mehrmals täglich, lindern die Beschwerden. Damit das Gurgeln wirkt, muss die Flüssigkeit 30–60 Sekunden lang im Mund bewegt werden. Je nachdem was der Patient bevorzugt, wird die Lösung kalt oder warm angewendet. Neben Salzwasser, Kamillen- oder Salbeitee eignen sich viele pflanzliche Extrakte für Gurgellösungen, z. B. Ratanhia, Myrrhe, Thymian und Arnika. Bei Pinselungen wird die unverdünnte pflanzliche Zubereitung auf die Schleimhaut aufgetragen.

Zwiebelwickel am Hals.

Die Zwiebel ist ein bewährtes Hausmittel. Sie sorgt bei Halsschmerzen und -entzündungen als Wickel für Linderung. Dafür wird eine rohe Zwiebel kleingeschnitten und in ein Baumwolltuch eingeschlagen. Damit der Saft austritt, walkt man den Wickel mit einem Nudelholz und drückt ihn so stark wie möglich zusammen. Der Zwiebelwickel wird dann um den Hals gelegt und mit einem Handtuch abgedeckt. Die Inhaltstoffe der Zwiebel sollen keimtötend, entzündungshemmend und durchblutungsfördernd wirken. Eine Erwärmung des Zwiebelwickels steigert die Freisetzung der ätherischen Öle aus der Zwiebel. Man erwärmt dazu den Halswickel vor dem Auflegen in der Mikrowelle, im Ofen oder auf der Heizung.

Selbstmedikation.

Das Lutschen von Halspastillen oder -tabletten befeuchtet die Schleimhäute. Die dadurch stimulierte Speichelproduktion hat zudem eine bessere antibakterielle Wirkung im Mund- und Rachenraum. Je nach Zusammensetzung der Arzneimittel kommen weitere lindernde Effekte hinzu: Salz befeuchtet die Schleimhaut am stärksten, Menthol wirkt kühlend und pflanzliche Zusätze wie Salbei, Eukalyptus oder Latschenkiefer wirken leicht desinfizierend. Lokalanästhetika, also Produkte mit lokal betäubenden Wirkstoffen (z. B. Lidocain), helfen Schmerzen in der Mundhöhle zu lindern – führen jedoch oft zu einem unangenehm tauben Gefühl im Mund. Dann bieten sich Lutschtabletten oder Sprays mit Flurbiprofen an. Sie wirken nicht betäubend, sondern lokal entzündungshemmend und abschwellend.

Am besten wirken Halspastillen oder -tabletten, wenn sie nach oder zwischen den Mahlzeiten langsam gelutscht werden. Zuckerzusätze sind sehr ungünstig: sie setzen den Zähnen zu, indem sie das Wachstum von Kariesherden in der Mundhöhle fördern.

Autoren

Dr. med. Arne Schäffler; Dr. med. Brigitte Strasser-Vogel; Sektion "Ihr Apotheker empfiehlt": Dr. med. Arne Schäffler; Miriam Knauer | zuletzt geändert am um 12:53 Uhr


Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel ist nach wissenschaftlichen Standards verfasst und von Mediziner geprüft worden. Die in diesem Artikel kommunizierten Informationen können auf keinen Fall die professionelle Beratung durch Ihren Apotheker ersetzen. Der Inhalt kann und darf nicht verwendet werden, um selbständig Diagnosen zu stellen oder mit einer Therapie zu beginnen.
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